Gruppe Menschen beim Piknik

Reich – ohne es zu wissen

Jürgen Ferrary
7. März 2026

Ich habe einmal die wahre Geschichte einer Familie gelesen, die vor etwa 200 Jahren stattgefunden hat. Damals sind viele Menschen aus Deutschland in die USA ausgewandert, um dort ihr Glück zu suchen, weil sie in der alten Heimat keine Perspektive gesehen haben. So verließ auch ein junger Mann die Heimat; seine beiden Eltern jedoch blieben zurück und lebten weiterhin ärmlich in ihrem Dorf.

Irgendwann kam Post aus Übersee. Der Sohn hatte einen Job gefunden und sich in der neuen Welt eingerichtet. Und so sandte er irgendwann einen ersten Brief zusammen mit einem 10-Dollar-Schein. Es dauerte damals eine ganze Weile, bis der Brief in dem kleinen Dorf in Deutschland ankam, und die Eltern freuten sich riesig, von ihrem Sohn zu hören.

Nur mit diesem komischen Schein konnten sie nichts anfangen. Sie dachten, das Bild des Präsidenten würde ihren Sohn abbilden, und wunderten sich, dass er in so kurzer Zeit so gealtert war. Also hoben sie dieses merkwürdige Stück Papier auf.

Einen Monat später erhielten die Eltern einen weiteren Brief, wieder mit einem 10-Dollar-Schein, und im nächsten Monat den nächsten. Und so ging das über Jahre hinweg. Den Eltern kam es zwar komisch vor, dass der Sohn jeden Monat dasselbe Bild von sich schickte, aber sie behielten jeden Schein und legten ihn sorgfältig zu den anderen.

Eines Tages kam der Pfarrer zu Besuch, und die Eltern zeigten ihm die Bilder ihres Sohnes. Da erklärte er ihnen, was es mit diesen Scheinen auf sich hatte. Sie waren die ganze Zeit wohlhabend – nein, reich – gewesen und hatten es nicht gewusst.

Ich musste an diese Geschichte denken, als ich einen Vers von Paulus aus dem Galaterbrief las: „Ihr seid alle Kinder Gottes, weil ihr durch den Glauben mit Christus Jesus verbunden seid“ (Galater 3,26).

Die Galater lebten im zentralen Kleinasien, in der nach ihnen benannten Landschaft Galatien, die im Gebiet der heutigen Türkei liegt. Sie waren Nachfahren keltischer Stämme, die im 3. Jahrhundert v. Chr. einwanderten.

Die Galater haben damals die Worte des Paulus verstanden. Sie haben sie in ihre Herzen aufgenommen, und das veränderte ihr Leben radikal.

Und dann muss ich daran denken, wie oft wir irgendwo im Gottesdienst sitzen, eine Andacht lesen oder einen Podcast hören, in dem es heißt: „Du bist ein geliebtes Kind Gottes!“ Oh ja, das habe ich schon oft gehört. Du auch?

Aber haben wir wirklich begriffen, was das bedeutet, ein Kind des lebendigen Gottes zu sein? Keine Sünder mehr, keine Bettler oder Sklaven, sondern Kinder!

Was mich erstaunt, sind die ersten beiden Worte in dem Vers: „Ihr seid …“ Da steht nicht: „Strengt euch an.“ Oder: „Bringt mal euer Leben in Ordnung, und dann …“ Hier steht: „Ihr seid …“

Die Galater waren keine Menschen, die nur alles richtig gemacht haben – ganz im Gegenteil, sonst hätte Paulus keinen Brief schreiben müssen. Aber trotz ihrer Fehler spricht Paulus ihnen ihren Wert zu.

Manchmal sind wir wie die beiden alten Eltern, die einen Schein nach dem anderen aufheben und dessen Wert nicht kennen – nur mit dem Unterschied, dass es um den Wert geht, den wir vor Gott haben.

Hast du erkannt, wer du in Gottes Augen bist? Du gehörst zu Gottes Kindern. Du hast einen himmlischen Vater, der dich liebt, der immer Zeit für dich hat.

Die Galater damals haben nicht nur gehört und mit den Köpfen genickt, sondern sie haben zugegriffen und für sich gelten lassen, was Jesus getan hat.

Und du?

Sei gesegnet!

„Glauben heißt, das Brot essen und nicht nur anschauen; das Wasser des Lebens auf die Wiese seines Herzens leiten“ (Aloys Henhöfer).

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